|
|
|
Synonym:
 |
dicker Tropfen |
 | Malaria-Ausstrich |
 | mikroskopischer Plasmodiennachweis |
Material:
 |
frisches EDTA-Blut |
 | oder 3 Blutausstriche |
Norm:
 | negativ |
Erreger:
 | Protozoen der Gattung Plasmodium
|
|
Erreger
|
Verlaufsform
|
 | Plasmodium falciparum |
|
M. tropica
|
 | Plasmodium malariae |
|
M. quartana
|
 | Plasmodium vivax |
 | Plasmodium ovale |
|
M. tertiana
|
Pathogenese:
 | Infektionszyklus:
 | Mückenstich einer infizierten Mücke → aus dem Speichel der
Mücke werden Sporozoiten in die Blutbahn abgegeben →
diese dringen
innerhalb von 30 Minuten in Leberparenchymzellen ein → innerhalb von 5–14 Tagen
entwickeln sich dort durch
Teilung zu Gewebsschizonten (enthalten je nach Plasmodienspezies mehrere Tausend
Merozoiten) → Ruptur der befallenen Leberzelle →
Schizonten ergießen
sich in die Blutbahn des Lebersinus und dringen unverzüglich in
Erythrozyten ein → Reifung sie je nach Spezies innerhalb von 48–72
Stunden zu Schizonten → Ruptur der
Erythrozytenmembran → nach einigen Zyklen
entwickeln sich Gametozyten, die
beim Blutsaugen der Mücke aufgenommen werden und sich letztlich zu
Sporozoiten entwickeln → diese werden in der Speicheldrüse der Mücke
angereichert. |
|
 | klinisches Bild abhängig von der Parasitendichte:
 | Verbrauch von erythrozytärem Sauerstoff und Glucose
durch den Parasiten → systemische
Gewebshypoxie, Hypoglykämie und Lactazidose. |
 | Ausbildung von „Knobs” auf der Membran der befallenen
Erythrozyten → Adhärenz an das
Kapillarendothel → kapillare Stase
und lokale Gewebshypoxie (besonders Gehirn betroffen) |
 | Der Parasit baut sich seine Strukturen aus dem
Hämoglobinmolekül auf → hämolytischen Anämie und Aktivierung von Makrophagen mit Freisetzung von TNF |
|
Epidemiologie:
 | Die Malaria ist die wichtigste Tropenkrankheit in den
Endemiegebieten der Tropen und die wichtigste importierte Tropenkrankheit in
Europa |
 | ca. 300-500 Millionen Erkrankungen/Jahr, davon 90% in
Afrika |
 | In Deutschland werden mit steigender Tendenz jährlich
etwa 800- 1000 Fälle gemeldet:
 | davon wird zu 65% M. tropica diagnostiziert |
|
 | Hauptverbreitungsgebiete:
|
Übertragungswege:
 | Hauptwirt und Überträger der Malaria sind weibliche
Stechmücken (60 Arten der Gattung Anopheles), die zur Eireifung menschliches
Blut benötigen. Deren typisches Biotop bestimmt die Verbreitung der Malaria. |
Inkubationszeit:
|
Erreger
|
Inkubationszeit
|
Hypnozoitenbildung *
|
|
P. falciparum
|
7-14 Tage
|
nein
|
|
P. vivax
|
10-20 Tage
|
ja
|
|
P. ovale
|
10-20 Tage
|
ja
|
|
P. malariae
|
20 -40 Tage
|
nein
|
Latenzformen*:
 | Plasmodium vivax und ovale:
 | einige
Leberschizonten verbleiben als einzellige Hypnozoiten in einer mehrmonatigen oder
mehrjährigen Ruhephase → es können sich jederzeit Merozoiten
entwickeln, die wiederum Erythrozyten befallen →
Rezidiv |
|
 | Plasmodium malariae:
 | Ruhephase kann Jahrzehnte dauern |
|
 | Plasmodium falciparum:
 | keine Hypnozoiten → keine Rezidive |
|
Klinik:
 | unkomplizierte Malaria:
 | 1-5 % Erys parasitär befallen |
 | initial grippeähnliche Symptome (CAVE: Fehldiagnose) |
 | starke Kopfschmerzen |
 | untypisches Fieber (nur selten wie im Lehrbuch) |
 | "Bronchitis" |
 | Bauchschmerz |
 | Diarrhoe |
 | Ikterus |
 | Schüttelfrost |
 | Splenomegalie (ab 2. Woche)
|
|
 | komplizierte Malaria:
 | > 5 % Erys befallen |
 | Bewußtseinstrübung bzw. Krampfanfälle (zerebrale
Malaria) |
 | normozytäre Anämie (Hämolyse) |
 | Niereninsuffizienz |
 | Hypoglykämie |
 | DIC (siehe Verbrauchskoagulopathie) |
 | Schock |
 | Lungenödem |
 | Hyperpyrexie |
 | Hämoglobinurie
|
|
 | atypische Verläufe:
 | nach Prophylaxe sind aberante Verläufe möglich |
 | Rezidive können noch Jahre nach der Erstinfektion
auftreten |
|
Fieberrhythmus:
|
Malariatyp
|
Erreger
|
typischer Fieberrhythmus
|
|
M. tropica
|
Pl. falciparum
|
 | unregelmäßig |
|
|
M. quartana
|
Pl. malariae
|
 | Fieber: ca. 72 h |
 | dann 2 Tage ohne Fieber |
|
|
M. tertiana
|
Pl. vivax und Pl. ovale
|
 | Fieber ca. 48 h |
 |
dann 1 Tag ohne Fieber |
|
CAVE: oft untypische Fieberverläufe!
Immunität:
 | Bewohner in Endemiegebieten erwerben im Verlauf mehrerer
Jahre eine Teilimmunität, die ein abgeschwächtes Krankheitsbild bewirkt,
nicht jedoch die Infektion verhindert. |
 | angeborene Schutzfaktoren sind:
 | genetisch bedingte Hämoglobinopathien, z. B.:
 | G-6-PDH-Mangel |
 | Thalassämie |
 | Heterozygotie des Sichelzellgens (siehe Hämoglobin-S) |
 | die Hämoglobinopathien schützen
durch verminderte Erythrozytenresistenz vor
massiven Parasitämien und vermindern die Letalität |
|
 | fehlendes Duffy-Blutgruppenantigen (Schutz gegen P.
vivax) |
|
Therapie:
Meldepflicht:
Prophylaxe:
Hinweise:
 | Bei negativem Befund und weiter bestehendem klinischen
bzw. anamnestischen Verdacht Blutentnahme eventuell mehrmals (während des
Fieberanstiegs) wiederholen |
 | ungünstige Abnahmezeit, Antibiotika-Therapie und
vorausgegangene Malariaprophylaxe können die Diagnose aufgrund der in solchen
Fällen geringen Zahl von Plasmodien im Blut erschweren. |
 | Um falsch negative Befunde zu vermeiden, sollte
grundsätzlich eine Untersuchung auf Malaria-Antikörper angeschlossen werden
(siehe Malaria-Antikörper) |
 | auch ohne entsprechende Reiseanamnese können (selten)
Malariafälle auftreten (z.B. „Flughafen-Malaria“) |
 | Ein nicht auszuräumender klinischer (anamnestischer)
Verdacht auf eine Malaria (insbesondere bei Verdacht auf komplizierten
Verlauf) muß gegebenenfalls auch bei negativem Plasmodiennachweis und
negativem Antikörpernachweis therapiert werden (hohe Letalität bei
verzögerter Therapie einer Malaria tropica) → Rücksprache mit einem Tropeninstitut empfohlen, z.B.
Bernhard Nocht-Institut
für Tropenmedizin
Bernhard Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
Telefon: 040-428180 |
Siehe auch:
|